Betriebe suchen händeringend Nachwuchs

Betriebe suchen händeringend Nachwuchs

Am Montag hat das neue Ausbildungsjahr begonnen – Vor allem im Handwerk, aber auch in der Industrie fehlt es an Bewerbern

Neckar-Odenwald-Kreis. (tra/rüb) 497 junge Menschen haben in der vergangenen Woche bei den Unternehmen der IHK im Kreis ihre Ausbildung begonnen. Das sind 14 beziehungsweise 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Handwerkskammer meldet zumindest konstante Zahlen. Doch auf dem zweiten Blick zeigt sich, dass die Unternehmen in der Region immer mehr Probleme haben, geeigneten Nachwuchs zu finden – vor allem im Handwerk, aber inzwischen auch in der Industrie.

Im kaufmännischen Bereich vermeldet die IHK für unseren Landkreis ein Plus von 7,1 Prozent auf 242 Ausbildungsstarter. Im gewerblich-technischen Bereich haben 255 junge Menschen ihre Berufslaufbahn begonnen, das sind 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum 31. August waren im gesamten IHK-Bezirk noch 1508 Ausbildungsplätze unbesetzt. “Die Unternehmen wollen ausbilden, es fehlt aber an Bewerbern”, lautet das Fazit von IHK-Präsident Manfred Schnabel.

Für die Unternehmen sei der Fachkräftemangel das Top-Thema: 2019 fehlen, so die IHK, im Bezirk 4700 akademisch qualifizierte Fachkräfte und 27.000 beruflich qualifizierte. Im Aufwärtstrend sind dagegen neue und modernisierte Berufe für die digitalisierte Arbeitswelt: Vermehrt gefragt sind IT-Berufe, Kaufleute im E-Commerce, Metall- und Elektroberufe sowie Berufe im Bereich Mechatronik.

Die Situation im Handwerk ist dagegen richtig besorgniserregend, wie im Gespräch mit Claudia Orth, Geschäftsbereichsleiterin Berufsbildung bei der Handwerkskammer, schnell deutlich wird. “Wir haben Betriebe, die händeringend Nachwuchs suchen.” Auch bei beliebten Ausbildungsberufen wie Kfz-Mechatroniker gebe es in diesem Jahr noch freie Stellen. Ganz eklatant sei die Situation im Bereich Nahrung, bei den Bäckern und Fleischern, aber auch bei Frisören und Elektrikern.

“Viele junge Menschen entscheiden sich leider für den vermeintlich einfacheren Weg und gehen auf eine weiterführende Schule, weil sie einfach nicht wissen, was sie später einmal werden möchten”, so Orth. Doch noch ist Zeit, eine solche Entscheidung zu korrigieren: “Wir haben auch für Kurzentschlossene noch eine große Auswahl freier Stellen. Sie könnten sofort ihre Ausbildung beginnen!”

Wohnfitz (Walldürn):

“Es wird immer schwieriger, junge Leute zu gewinnen”, weiß Geschäftsführer Wolfram Fitz. Ein Schreiner und eine Einzelhandelskauffrau haben ihre Ausbildung begonnen. Vor allem im handwerklichen Bereich hätte er gerne weitere Auszubildende eingestellt – doch es gab keine weiteren Bewerber. Dafür hat das Möbelhaus vor Kurzem fünf junge Schreiner eingestellt, die ihre Ausbildung gerade abgeschlossen hatten und über persönliche Empfehlungen gekommen sind. “Es wird immer wichtiger, den Mitarbeitern ein ansprechendes Arbeitsumfeld anzubieten”, weiß Fitz. Dazu zähle neben einem guten Betriebsklima auch eine angemessene Bezahlung. Was die negative Entwicklung im Handwerk angeht, hofft Wolfram Fitz auf eine Trendwende: “Das Handwerk wird wieder attraktiver, und die Löhne werden steigen!”

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